3. Vortrag Dominikanerkloster: Gerhard Kohn

Mittwoch, 15.09., 19:00, Gerhard Kohn, Prenzlau
„Hexenverfolgung in und um Prenzlau“
Gerhard Kohn ist als Mitarbeiter des Museums ganz dicht an Quellen und auf den Spuren der Vergangenheit – er kennt die Orte, an denen die traurigen Schicksale so vieler Männer und Frauen in Prenzlau ihren Lauf nahmen. In seinem Vortrag, der mit Namen von Opfern und Schauplätzen in Prenzlau gespickt war, wurde deutlich, dass auch hier etliche Hexenprozesse ihren unheilvollen Lauf nahmen. Gleich zu Beginn wies Kohn aber ausdrücklich darauf hin, dass bis jetzt keine Primärquellen zu diesen Vorgängen vorlägen – er hat seine Informationen aus Sekundärquellen, wie den tagebuchartigen Aufzeichnungen des Pfarrers Sühring, der in Prenzlau von 1654 -1663 wirkte und Geschehnisse in der Stadt verfolgte und niederschrieb.

Gleichwohl führte Kohn etliche zum Teil ausführlich beschriebene Fälle von Anzeigen und Prozessen wegen Buhlerei mit dem Teufel, Verzauberung von Mitbürgern, wegen Zauberei unter Mitwirkung des Teufels erhaltene Güter und/oder Nahrungsmittel auf. So wird im Jahre 1616 Gerde Mahnkopf von einer Mutter, die ihren gerade geborenen Sohn wohl durch plötzlichen Kindstod verliert, angezeigt mittels Hexerei den Tod des Säuglings herbeigeführt zu haben. Wie es schon Hegeler in seinem Vortrag beschrieb, führten die in der Folter von Mahnkopf abgepressten Nennungen weiterer vermeintlicher Hexen zu einer Verhaftungs-, Folterungs- und Verurteilungswelle in den folgenden Monaten. Bereits 1581 hatte sich die vermeintliche Hexe Frau Bayer (die im Zuge der Folterungen von einer anderen bereits angezeigten Frau als solche „verraten“ wurde) mit dem Messer einer weiteren Gefangenen im Gefängnisturm (dem heutigen Hexenturm) selbst gerichtet, um der bevorstehenden „peinlichen Befragung“, also der Folter zu entgehen.

Die Folter wird in Kohns Unterlagen zumeist mit Streckbank, Schlägen oder Verbrennen sensibler Köperbereiche, wie Achselhöhlen, beschrieben. Etliche Opfer starben durch die Folter, einige überleben Torturen, die sich teilweise über Jahre erstreckten. So übersteht eine angeklagte Frau aus Jagow 3 Jahre Haft ohne zu gestehen, wird anschließend für zwei weitere Jahre eingekerkert und schließlich, nach Einholung eines Gutachtens bei der Universität Frankfurt Oder, des Landes verwiesen. Viele Opfer gestehen und widerrufen, werden wieder gefoltert, gestehen und widerufen erneut. Kohn beschreibt Prozesse, die von der Bürgerschaft und solche, die vom Adel geführt werden. Namen der Opfer sind unter anderem die „Spudhingsche“ (1552), Ursula (1572), die „Ohmsche“ (1581), Gertrude Zimmermann (1598), aber auch ein Adliger, Adam von Linstedt aus Bröllin, ist unter den Opfern.

Kohn schließt seinen Vortrag mit einer Beschreibung der ersten Begehung des Hexenturms, die im Jahre 1913 dokumentiert wurde. Hinter 2,50 m dicken Backsteinmauern, in einem acht Meter tiefen „namenlosen Schwarz“ wurden die Opfer eingekerkert. Auch wurden die typischen, dem Hexenhammer gemäßen Einbuchtungen in den Wänden gefunden: Wandschrank-ähnliche Nischen, in die die Opfer an Ketten ohne Bodenberührung gelegt wurden – so meinte man zu verhindern, dass der Teufel aus der Unterwelt (dem Boden) seinen Hexen zur Hilfe kommen kann. In Prenzlau hatte der Scharfrichter sein Haus direkt neben dem besagten Gefängnis- und Wachtturm, heute steht an dieser Stelle das Gerichtsgebäude. Weitere Flurnamen in Prenzlau weisen auf Hinrichtungstätten hin – viele Opfer wurden direkt auf dem Marktplatz verbrannt.

Nach einigen Exkursen über heilkundige Männer und Frauen, entsponnen sich erste Überlegungen, wie und wo man Originalakten zu den Prozessen in der Stadt finden und ob man nicht vielleicht auch hier eine sichtbare Form des Gedenkens finden kann.

Ich danke herzlich für die eingegangenen Spenden in Höhe von 28,00 € (und das obwohl die meisten Besucher des Vortrages schon an den vorhergegangenen Tagen die Themenwoche besucht haben!)

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