2. Vortrag Dominikanerkloster: Hartmut Hegeler

Dienstag, 14.09., 19:00, Hartmut Hegeler, Unna
„Man soll sie verbrennen zu Tode“
Hartmut Hegeler ist evangelischer Pfarrer und hat bis vor kurzem als Lehrer an einer Berufsakadmie unterichtet. Er ist Mitbegründer des Arbeitskreises Hexenverfolgung in Westfalen und arbeitet als solcher seit zehn Jahren unermüdlich daran, die Vorurteile über Hexenverfolgung, die zeitgeschichtlichen Zusammenhänge und vor allem über die Opfer einer breiten Öffentlichkeit zu abzubauen. In seinem leidenschaftlichen Vortrag arbeitete Hegeler zunächst Punkt für Punkt eben die gängigsten Vorurteile, die auch er selbst vor der Beschäftigung mit dem Thema hegte, ab und widerlegte sie. Ihm ist es ein Anliegen darauf hinzuweisen, dass die Opfer, zumeist (aber eben nicht nur) Frauen und  in der überwiegenden Mehrheit aus der ärmsten Bevölkerungsschicht stammten, Witwen (ohne den Schutz eines Ehemannes) und sehr häufig auch Fremde, Zugezogene waren. Häufig führte die Anzeige eines Familienmitgliedes zu einer Welle von weiteren Anzeigen in der gesamten Familie. Hegeler schilderte den Fall, des 8-jähriges Mädchens Christine Teipel aus Oberkirchen/ Sauerland, das wegen Hexerei dem Gericht vorgeführt wurde, wo es unter Folter zu Aussagen über weitere Hexen gebracht wurde, so dass innerhalb von drei Monaten 58 Frauen, Männer und Kinder in ihrem Heimatdorf ihr Leben ließen.

Intensiv stellte Hegeler auch dar, dass es neben predigenden Pfarrern, Regierenden und Richtern häufig die Bürger waren, die die Verfolgung von Hexen in ihren Städten einforderten – es herrschte Angst vor Hexen, die er mit der Angst vor Terroristen verglich. Ihnen wurde alles Übel, das sich die Menschen nicht erklären konnten, zugeschrieben (Epidemien, Klimaveränderungen). Oder man „nutzte“ diese Möglichkeit um politische Gegner loszuwerden, sich Pfründe zu sichern oder einen Ausweg aus Streitigkeiten zu finden. Wichtig auch, dass es Gegenden und Ortschaften gab, in denen in der gesamten Zeit der Hexenverfolgung kein einziger Prozess geführt wurde, da die jeweiligen Herrscher diese Art von Prozesse grundweg ablehnten.

Wenn allerdings Einzelne gegen bereits laufenden Verfahren aufbegehrten, so begaben sie sich in die große Gefahr selbst angezeigt zu werden, da sie sich ja „für die Sache des Teufels“ einsetzten. So beschrieb Hegeler die mutige und erfolgreiche Intervention des Pfarrers Anton Praetorius, der vom Grafen als fürstlicher Hofprediger zum Mitglied des Hexengerichts bestimmt wurde und diesen zum Abbruch brachte, womit die angeklagte Mutter von neun Kindern entlassen wurde. Für Hegeler ist die Beschäftigung nicht nur ein Thema, das durch die Vorbedingungen (Angst vor Fremden, Not und gesellschaftlichen Umbrüchen) in unsere Zeit hineinweist, sondern er engagiert sich sehr gezielt für eine Aufarbeitung von staatlicher und auch kirchlicher Verantwortung an der Hexenverfolgung (im Falle der Kirche nicht, weil die Kirche Prozesse geführt habe (was nicht zutreffende ist), sondern weil Pfarrer in Hetzpredigten die Angst vor Hexen schürten und sich nicht gegen die brutale und willkürliche Verfolgung ihrer Mitglieder stellte).

Auf der Webseite www.anton-praetorius.de erfahren Sie mehr über die Arbeit Hartmut Hegelers, des Arbeitskreises, Materialien für Schulunterricht u.a.  Sie finden dort auch eine Sammlung bereits aufgestellter Denkmäler in Deutschland.

Vielen Dank für die am Abend eingegangenen Spenden in Höhe von 70,10 €!

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